Basale Stimulation – in der Pflege und Förderung

By November 30, 2015Ratgeber, Therapien

Der Grundgedanke der Basalen Stimulation wurde in den 70er Jahren von Prof. Andreas Fröhlich entwickelt. Herr Fröhlich war Sonderpädagoge und Professor. Seine intensiven Forschungen auf dem Gebiet schwerer Behinderung, Bewusstlosigkeit und Pflegebedürftigkeit führten u. a. zur Entwicklung des Konzepts der basalen Stimulation. Bis in die 70er Jahre war es Kindern und Jugendlichen mit schwersten Behinderungen nicht möglich eine Schule zu besuchen. Diese Kinder wurden von der Schulpflicht befreit. Im Rahmen eines  Schulversuchs sollten Möglichkeiten gefunden werden, Kinder und Jugendliche mit schwersten Behinderungen zu unterrichten. Ab Mitte der 80er Jahre wurde die Dipl.-Pädagogin und Krankenschwester Christel Bienstein auf das Konzept Basale Stimulation aufmerksam. Durch die Zusammenarbeit von Andreas Fröhlich und Christel Bienstein wurde es möglich, das Konzept Basale Stimulation auch auf den klinischen Alltag von Menschen mit schweren Erkrankungen zu übertragen.

Die Basale Stimulation bietet dem Menschen, der in seinen Möglichkeiten die Umwelt und sich selber wahrzunehmen eingeschränkt ist, ganz gezielt fördernde und aktivierende Wahrnehmungsmöglichkeiten und primäre Körper- und Bewegungserfahrung sowie Angebote zur Herausbildung einer individuellen non-verbalen Mitteilungsform (Kommunikation) an.

BERÜHREN UND BEWEGEN
SIND FÄHIGKEITEN EINES JEDEN MENSCHEN,
JEDER IST DAZU IN DER LAGE,
WIRD DIESE FÄHIGKEIT ABER KULTIVIERT,
WIRD ES ZUR KUNST
UND GLEICHZEITIG VERBUNDEN MIT DEM WISSEN
UND ERKENNTNIS
ZU PROFESSIONELLEM HANDELN.
nach A. Montague

Die Wahrnehmung ist die Basis menschlichen Lebens. Dies tun wir:
> Visuell = sehen,
> Taktil-haptisch = tasten + begreifen,
> Auditiv = hören,
> Oral = Tastsinn des Mundes,
> Olfaktorisch = riechen und
> Gustatorisch = schmecken.

Hinzu kommen die:
> Somatische Wahrnehmung (Haut),
> Vestibuläre Wahrnehmung (Bewegung) und
> Vibratorische Wahrnehmung (schon im Mutterleib erlebt das Kind Sprache, Bewegung, Darmgeräusche, Herzschlag und Rhythmus).

Es fand ein reger Austausch der buntgemischten Teilnehmer (Erzieher, Logopäden, I-Helfer, Ergotherapeuten, Eltern…) statt und wir haben viele praktische Übungen ausprobiert. Wir haben erfahren, Berührung ist nicht gleich Berührung. Es macht einen großen Unterschied, ob ich jemanden plötzlich und unerwartet mit kalten Händen oder nur einem Finger feste und schnell anstupse oder ob ich diese Berührung verbal vorher ankündige, mit warmen Händen, flächig und mit konstantem Druck in aller Ruhe ausführe.
Unsere Kinder brauchen Ehrlichkeit, Eindeutigkeit, Orientierung, Stabilität, Vertrauen und Sicherheit. Dem Kind wird verdeutlicht: Du bist nicht allein. So können Neugierde, Orientierung und Sicherheit vermittelt werden. Es soll seinen Körper differenzierter wahrnehmen, nicht der ganze Körper ist verspannt oder schmerzhaft.

Viele der Übungen z. B. das Nachmodellieren, die Nestlagerung, die belebende oder beruhigende Ganzkörperwaschung lassen sich auch problemlos in den Alltag integrieren, ohne dass es einen wesentlichen Mehraufwand an Zeit bedeutet. Selbst zu spüren, wie wichtig die Berührungsqualitäten sind, sich immer wieder bewusst machen, wie häufig wir doch unsere Kinder „so nebenbei“ berühren, welche fördernde und pflegende Möglichkeiten sich uns im Laufe eines Tages immer wieder bieten – das war ein Ziel, welches wir an diesem Tag bestimmt erarbeitet haben.
Frau Terskan und Frau Kotthoff haben für die Teilnehmer sehr ausführliche und gut verständliche Unterlagen zusammengestellt. Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, kann diese Unterlagen gerne bei der Geschäftsstelle NRW anfordern.

Birgit Lork

Geschäftsstelle

nrw@rett.de

Telefon: 02302-699209

Friedrich-Ebert-Str. 50
58453 Witten